Zentrale Intelligenz Agentur

Wir sind ein Wind, ein Schaum

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02.03.2005 | 13:02

Brandhacking I

Die anglo-japanische Modedesignerin Serpica Naro hätte mit ihrer Modenschau die diesjährige Mailänder Modewoche abschließen sollen. Nur wenige Stunden zuvor stellte sich jedoch heraus, dass Serpica Naro nur ein Fake war. Hinter dem exotischen Namen der Künstlerin – einem Anagramm des San Precario des »Beschützers aller Prekären auf Erden« – steckten Aktivisten des Kollektivs Chainworkers, prekär Beschäftigte, die im Bereich der Mailänder Modeschauen arbeiten.

Für die Designerin wurde nicht nur eine Website aufgestellt, auch nicht existierende Pressebüros und Showrooms in Mailand, London und Tokio wurden für die Gelegenheit ins Leben gerufen. »Wir kennen uns in dieser Welt gut aus«, erklärte ein Chainworker, »deshalb konnten wir das Ganze glaubwürdig machen.«

Der Modeschau der prekären Designerin fand schließlich doch statt. Allerdings nicht in den exklusiven Räumen der Modewoche, sondern im centro sociale Pergola: Dort wurde die »neue Kollektion für prekär Beschäftigte« vorgestellt: Von Kleidung, die besonders geeignet ist, eine Schwangerschaft zu verheimlichen, über Anti-Belästigungs-Röcke, die mit Mäusefallen versehen sind, bis zu Unisex-Jacken, mit speziellen Taschen für den bequemen »proletarischen Einkauf«, war für das moderne, metropolitane prekarisierte Leben alles dabei.

www.serpicanaro.com

(Quelle: Jungle World)


21.02.2005 | 12:43

Politisches Patt

Die Union ist nicht wirklich zu beneiden: nachdem sie sich bei der Bundestagswahl 2004 einen Abend lang als Sieger wähnte und knapp verlor, wiederholte sich das selbe gestern Nacht in Schleswig-Holstein. Auch die letzten und vorletzten Präsidentenwahlen in den USA gingen so kanpp aus, dass ein paar tausend Stimmen letztlich den Ausschlag gaben.

Ist es Zufall, dass Wahlen in westlichen Ländern in letzter Zeit dazu tendieren, nur noch "Spitze auf Knopf" ausgehen, dass es immer häufiger zu politischen Pattsituationen kommt?

Eine theoretische Begründung liefert der Aufsatz "Stability in Competition" des US-Ökonomen Harold Hotelling aus dem Jahr 1929. Die populäre Version geht so, dass zwei Eisverkäufer an einem langen und gleichmäßig besetzten Strand identisches Eis verkaufen und nur ihren Standort frei wählen können. Als "Kosten" schlägt die Gehweite zu Buche , die potentielle Eiskäufer zurücklegen müssen. Hotellings Theorem besagt, dass beide Eisverkäufer Rücken an Rücken in der Strandmitte enden werden, und jeweils eine Hälfte des Strandes bedienen.

Vergleichbares passiert in der politischen Landschaft. Immer öfter stehen sich zwei pragmatische Lager gegenüber, die ihre Politik und vor allem ihre Wahlkampfkommunikation nach taktischen Erwägungen ausrichten. Je besser die Strategen beider großen Blöcke Spindoctoring, Agendasetting und Wahlkampfdramaturgie beherrschen und auch die Schachzüge der Gegenseite antizipieren, desto wahrscheinlicher wird eine Pattsituation – egal, wie groß die Meinungsamplituden vorher waren.

Diese Art von Wahlausgang erzählt nichts über Schwäche und Versagen von Wahlkampftaktik, im Gegenteil ist es die sich zu Tode siegende Strategie bei der Arbeit. Im Zeitaltr pragmatischer Symbolpolitik ist dieser Wahlausgang kein ungewöhnlicher Zufall, sondern einzig logisches Resultat – so lange bis ein neuer Eisverkäufer hinzukommt und den Strand von einer Seite aus aufrollt...


15.12.2004 | 11:15

Survival of the cheapest

Beginnen sollte ein Beitrag über den Preisverfall im Einzelhandel und die allgemeine Billigmentalität stets und unter allen Umständen mit dem Zitat des Slogans eines bekannten Elektronikfachmarktes. Wie wäre es also zur Abwechslung mal mit diesem, den die Kette Media-Markt derzeit penetrant im Radio laufen lässt: "La-la-la-lass dich nicht verarschen / vor allem nicht beim Preis!"
mehr: jungle-world.com/seiten/2004/51/4515.php


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