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05.12.2004 | 15:02

The return of Zeitgeist

Zeitgeist ist – anders als etwa Angst, Blitzkrieg und Gesamtkunstwerk – einer der wenigen wirklich schönen Germanizismen im angelsächsischen Sprachraum. So wie Leitmotif, das schon dadurch zu gefallen vermag, dass aus für immer unerfindlichen Gründen auf halber Strecke irgendwo über den endlosen Wassermassen des Atlantiks oder des Ärmelkanals aus dem v ein f wurde. Gesprochen wird es übrigens "Sseitgeist", und man kann sich sehr gut vorstellen, dass es in den 30ern von jüdischen Emigranten mit nach New York gebracht wurde, die gerade dem prekären Zeitgeist ihrer ehemaligen Heimat entronnen waren. Interessant ist, dass die Amerikaner als Trendsetter-Nation par excellence auf ein deutsches Konzept zurückgreifen, um jenes schwer fassbare massenpsychologische Fluidum der veränderlichen Moden und Einstellungsmuster auf den Begriff zu bringen.

Anders als dem durch und durch aufklärerisch gesinnten Hegelschen Weltgeist haftet dem Zeitgeist etwas zutiefst Irrationales und Zwangskollektivistisches an. Für Amerikaner dürfte sich gerade diese Ambiguität im herb Germanischen und Gravitätischen des Wortes vermitteln – im Gegensatz etwa zum sinnverwandten und gänzlich geheimnislosen "Lifestyle". Kürzlich haben selbst die Betreiber der Internetsuchmaschine Google das Konzept aufgegriffen und eine gleichnamige Serviceseite eingerichtet, die das wabernde Kontinuum per Ranking der häufigsten Suchabfragen basisdemokratisch runternagelt. Unter www.google/presse/zeitgeist.html erfährt man so, dass bei den "female celebrities" immer noch Madonna vor Paris Hilton rangiert und also der Zeitgeist noch nicht komplett verblödet sein kann.

Ganz anders sieht es im Ursprungsland Deutschland aus, in das der Begriff vor gut zwanzig Jahren einmal durch den angloamerikanischen Fleischwolf gedreht zurückschwappte, ähnlich wie heute Starbucks die Kaffeehauskultur nach Europa reimportiert. Zeitgeist im Deutschen – das klingt hart und scharf nach den frühen 80ern, nach der Ästhetik von Modern Talking-Covern, auf denen spitze Pyramiden und verspiegelte Kugeln auf einer sich im Endlosen verlierenden Rasterfläche angeordnet sind, nach einem Wetgel namens "Young Style", in das kleine Glitzerpartikel eingeschlossen waren, nach literarischen Experimenten in Basic-Programmiersprache, nur echt mit Zeilennummerierung in Zehnerschritten. In Deutschland waren die 80er das Jahrzehnt des Zeitgeistes und die Zeitschrift "Tempo" war sein Organ.

War die Mentalitäsgeschichte bis dahin ein langer ruhiger Fluss gewesen, unterbrochen nur durch gelegentliche schleichende Verirrungen des Zeitgeistes, änderte sich dieser nun im Minutentakt. "Werden wir alle Japaner?" lautete so ein hysterisch-reißerischer Tempo-Titel. Bei allem Guten, das die Zeitschrift in die Welt gebracht haben mag, kann man ihr attestieren, dass sie den Begriff und die Idee des "Zeitgeistes" gründlich überstrapaziert und damit desavouiert hat. Den Rest besorgte dann ihr langjähriger Redakteur Matthias Horx, der auszog und das Trendbüro gründete, das bis heute Zeitgeist in beliebiger Zusammensetzung am Stück und in Scheiben feilhält. Jetzt kündigte der Jahreszeiten-Verlag einen Relaunch von "Tempo" an. Die Zeit sei reif für eine Neuauflage des Zeitgeistjournalismus. Anscheinend ist das 80er-Revival doch noch nicht vorbei.

dwdl.de/conpresso/medien-inhalte/detail.php?nr=11608


25.10.2004 | 02:48

"Nur die kaputten Boxen waren noch da"

Anlässlich der Veröffentlichung von Aaron Cometbus' Roman "Doppelzwei" am 15. November druckt die jetzt-Redaktion der Süddeutschen Zeitung in der Ausgabe vom 25. Oktober ein Kapitel vorab.
Quasi ein Lagebericht aus dem Berkeley der frühen 90er-Jahre.

Aaron Cometbus: Doppelzwei
Aus dem Amerikanischen von Jörn Morisse
Lautsprecherverlag 2004
144 Seiten, € 11,50
www.aaroncometbus.de


12.10.2004 | 11:41

Was wollen diese Typen hier?

Die Jungsenioren von der Elsterwerderaner Wattebauschkapelle Virginia Jetzt! sind vom Goethe Institut nach Russland geschickt worden. Wie deutsche Popmusik in Sibirien rezipiert wird, ob es gut oder schlecht ist, wenn viele die Texte von VJ! nicht verstehen, wie schnell das manchmal mit den Mädchen gehen kann und ähnlich brisante Details aus Kasan, Nischnij Nowgorod, Samara und anderen Orten, von denen man nur ganz vage weiß, wo sie sich befinden, verrät ein von der Zentralen Intelligenz Agentur dem Berliner Tagesspiegel zugespielter Reisebericht:
archiv.tagesspiegel.de/archiv/12.10.2004/1413327.asp


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