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Die graue Eminenz hinter der Kraft im Hintergrund
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13.05.2003 | 19:41 Das Wort, es war im AnfangNachrichtensprecher bei N24 haben sich eine neue, irritierende Angewohnheit zugelegt: Ihre Sätze, sie beginnen sie gern mit dem Subjekt. Das Subjekt, es wird dann gefolgt von einem Komma und einem Pronomenschnörkel: "Der Linienbus, er steht hier am S-Bahnhof Schöneberg. Der Geiselnehmer, er ist offenbar überwältigt worden." Erklärungen dafür, sie wollen mir nicht so recht einfallen. Es ist offenbar nicht so, dass der Anfang des Satzes mit einem entsprechenden Bild koinzidiert, so dass "Hier sehen wir den Bus, er ..." gemeint sein könnte. Vielleicht haben die Sprecher einfach das Bedürfnis nach einer kurzen Denk- oder Atempause nach dem Subjekt. Oder aber die Marktforschung hat ermittelt, dass dumme Zuhörer den Satz sonst nicht verstehen. Und wenn dann kein Komma-Pronomenschnörkel folgt, hört sich der Satz komisch an. Das Ganze, es ist sehr rätselhaft. 08.05.2003 | 13:51 Märkte und AntimärkteIn seinem Buch A Thousand Years of Nonlinear History macht Manuel De Landa auf eine gewichtige Differenz aufmerksam, die Fernand Braudel in seiner Geschichtsschreibung des Kapitalismus einzieht: Die zwischen Märkten und Hierarchien. Die Dynamiken von Märkten, auf denen viele kleine Produzenten ihre Produkte feilbieten, unterschieden sich fundamental von der Logik des Unternehmens. Im Unternehmen herrschen Hierarchien und Weisungsstrukturen, die genau das Gegenteil von Marktabstimmungsprozessen darstellten (auch wenn neuerdings versucht wird, über Profitcenter den Marktgedanken innerhalb der Hierarchien zu emulieren). Die historische Funktion von Firmen, Unternehmen und Konzernen ziele demnach genau darauf ab, Marktmechanismen punktuell auszuschalten und durch Hierarchien zu ersetzen. De Landa spricht deshalb von Unternehmen als Anti-Märkten, deren vorrangiges Ziel nicht Effizienz ist, sondern Kontrolle: Kontrolle über Marktanteile, Preise, Mitarbeiter, Politiker etc. Dieser Prozess begann bereits im 13. Jahrhundert, seit dem 20. Jahrhundert erstreckt sich die hierarchische Kontrolle auch auf die Nachfrage, indem sie versucht, Präferenzen durch Werbung zu manipulieren. Ein Gutteil der virulenten ideologischen Kritik am Kapitalismus als solchem und dem Fetischcharakter der Waren zielt nach der Definition von Braudel und De Landa genau auf die Ausschaltung von Marktprozessen. 29.04.2003 | 11:37 BullerbübeautyAuf dem Titel des aktuellen STERN hält eine fröhlich strahlende blonde und blauäugige Bullerbü-Lolita keck einen Imbusschlüssel in die Kamera. Die Titelzeile in gelber Schrift und beinahe originalgetreuer Typo lautet: "IKEA – Wie der Möbelgigant wirklich funktioniert". Vor kurzem gab es eine STERN-Titelgeschichte über ALDI. Offensichtlich muss sich das Heft so gut verkauft haben, dass der STERN jetzt öfter Coverstorys über bedeutende Retailer bringt. So etwas interessiert die Leute. Längst werden Allianzen nicht mehr auf der Produktionsseite des Bruttosozialprodukts, sondern auf der Konsumptionsseite geschmiedet. Man fühlt sich nicht mehr als Kunde, sondern längst als Staatsangehöriger der Staatswesen ALDI und IKEA, deren fragmentiertes Territorium sich summasummarum nur auf wenige Quadratkilometer Verkaufsfläche belaufen dürfte. Neulich äußerte sich Harald Schmidt zur geplanten Reform der Bundesländer, zwei würden doch eigentlich reichen: ALDI-Nord und ALDI-Süd. Recht hat er. Auch ich habe mir zum ersten Mal seit Jahren wieder den STERN gekauft. Viel Neues über das wie eine freundliche Psychosekte geführte Möbelhaus war nicht zu erfahren. Der kauzige Gründer und Milliardär Ingvar Kamprad, der eigentlich keine Interviews gibt, aber hier eine Ausnahme macht, reagiert in seinem Reich nach wie vor wie ein kleinbürgerlicher Sonnenkönig, und bringt wie Kim Il Sung noch jeder Kassiererin bei, was sie besser machen könnte. Dass es letztlich keine Alternative zu und kein Entrinnen aus der demokratischen Designhölle von IKEA gibt, war eh klar. Dass der Konzern mittlerweile allen ethischen Standards gerecht wird, mag dabei beruhigen. Taxiert man den PR-Gegenwert der 19-seitigen Geschiche plus Heftcover, kommt man auf eine Summe von über einer Million Euro. Dafür kann man auch schon mal ein Interview geben. |
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