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Die urbane Legende
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It's a ZIAHolm Friebe / Kathrin Passig Einen geeigneten Namen für eine gemeinsame Aktivität finden ist immer eine heikle Angelegenheit. Jeder wird sich an endlose Sitzungen erinnern, in denen es darum ging, für die eigene Band oder eine aus dem Freundeskreis einen Namen zu finden, der die richtigen Signale aussendet. Gleichzeitig sieht man daran auch, dass man nicht einfach das Lexikon an beliebiger Stelle aufschlagen und darauf hoffen kann, dass das Umfeld sich schon irgendwann mit dem einmal gefundenen Namen arrangieren wird. "Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs" etwa sind eine Hamburger Band, die seit ca. 15 Jahren existiert und heute teilweise sehr lyrische Stücke mit anspruchsvollen deutschen Texten fabriziert. Dennoch dürfte der Name ein beständiges Hemmnis für die weitere Karriere sein, nicht nur, weil bald niemand, der Musik kauft, mehr weiß, was die Ostzone war, sondern weil er einfach die falschen Signale aussendet. Was jemals zu dieser Namenswahl inspiriert haben mag - eine Zeitungsmeldung oder eine akute Fun-Punk-Attacke - ist unklar, fest steht, dass auch die Abkürzung "OZSWMK" keinen echten Ausweg aus dem Dilemma darstellt. Der Name "Zentrale Intelligenz Agentur" existierte eigentlich schon immer, noch bevor es überhaupt Pläne gab, ihn jemals ernsthaft im Geschäftsverkehr einzusetzen. Erstmals aktenkundig wurde die Zentrale Intelligenz Agentur 1995 in Heft 3 des von Holm und dem späteren ZIA-Grafiker Martin Baaske herausgegebenen Fanzines "Luke & Trooke" im Rahmen einer Grafik, die die "Konzernstruktur von Luke & Trooke" im schematischen Überblick erläuterte. Weitere Bestandteile dieser Konzernstruktur waren eine "Riesenmaschine Aktiengesellschaft" und die windige "mogul media consulting" gewesen, aus denen in einem Paralleluniversum die Gegenstücke zur heutigen ZIA hervorgegangen sein mögen. Einige Jahre später hatte Holm sich vorsichtshalber die Domain zentrale-intelligenz-agentur.de reservieren lassen, und irgendwann fand der Wunsch nach einer eigenen Firma mit dem nutzlos in der Gegend herumstehenden Namen zusammen. Auch wenn alles außen herum vage und unstet war wie das tosende Meer, stand dieser Name wie ein Fels in der Brandung. Es dauerte dann allerdings noch eine Weile, bis sich alle von "Wir haben da so eine Art Agentur" über "Es heißt 'Zentrale Intelligenz Agentur', na und?" bis zur flüssigen Vorstellung als Mitarbeiter der Zentralen Intelligenz Agentur vorgearbeitet hatten. Es war ein Firmenname, der immer und unter allen Bedingungen die richtigen Signale aussendete. Als Holm und Philipp an einem kleinen Landstraßengrenzübergang bei Lörrach in die Schweiz einreisten, um Autobahnmaut zu sparen, war gerade irgendein neues Quellensteuergesetz in Kraft getreten und es wurden in großem Stil Gelder in die Schweiz geschafft. Wenn auch vielleicht nicht gerade an diesem Grenzübergang, an dem kein einziges Auto wartete. Auf die Frage der unterbeschäftigten Grenzer, ob die beiden mehr als 15.000 Euro mit sich führten, hätte Holm besser nicht antworten sollen "Erst mal haben." Dass es der 11. September 2002 war, machte die Sache nicht besser, und als die Grenzer beim Filzen der Portemonnaies jeweils auf die Visitenkarten der Zentralen Intelligenz Agentur stießen, wurde ohne weitere Diskussion das komplette Auto auseinandergenommen. Ein Jahr später wurde Holm anlässlich der Eröffnung einer Rem-Kohlhaas-Ausstellung in der Nationalgalerie zu einer Podiumsdiskussion geladen und im zweisprachigen Programm konsequent als "Holm Friebe, Central Intelligence Agency" angekündigt. Er nutzte die Gelegenheit, in seinem Beitrag zum Thema "Marken" darauf zu verweisen, dass in den USA gerade eine Taskforce gegen Markenpiraterie ins Leben gerufen worden war, die die Förderung des internationalen Terrorismus durch Markenplagiarismus zu unterbinden suchte. Dass der Name ein guter Name war, fanden auch Dirk Maxeiner und Michael Miersch, die gegen Ende 2002 mit dem Publizistennetzwerk "Centrale Intelligenz Agentur" an die Öffentlichkeit traten. Der Centralen Intelligenz Agentur gehörten damals unter anderem Hendryk M. Broder und Cora Stephan an; heute ist auch Matthias Horx, Mitbegründer des Trendbüro, mit von der Partie. Maxeiner und Miersch sprachen sich auf ihrer im Geiste eines Hilfscheckerbunnys gestalteten Website für "Freie Gedanken, Menschenrechte, Frieden und Wissenschaft", aber gegen "Medienhype, Umverteilung, Werterelativismus und Esoterik" aus. Das ging natürlich nicht. In dem kurzen Mailwechsel, der sich zwischen ZIA und CIA entspann, schrieb Michael Miersch: "Ihr Ansinnen überzeugt uns nicht. Was soll die Aufregung? Warum ist 'Leben und leben lassen' so schwierig für Sie? Versuchen Sie mal, das Ganze etwas lockerer zu sehen." Man hänge an der Abkürzung, die schließlich "aus einem vergnüglichen Brainstorming als Sieger hervorgegangen" sei. In der ZIA war man sich daraufhin einig, dass es der CIA nichts nutzen werde, sich doof und niedlich zu stellen, aber weniger einig, welche Konsequenzen jetzt daraus zu ziehen seien. Eine Abstimmung ergab vier Stimmen für die Strategie "hartnäckig bleiben, auf die Stahlkappenstiefel deuten" und zwei Gegenstimmen für "freundlich bleiben, nicht weiter insistieren". Sollte man die CIA abmahnen oder nicht? Kathrin war sehr dafür, da sie einige Jahre zuvor selbst dem Abmahnkönig Freiherr von Gravenreuth in die Quere gekommen war und die Wirksamkeit dieser offensiven Defensivmaßnahme kannte. "Was wäre denn daran ein gelungener Coup, der uns zu coolen Säuen macht?", wandte Philipp ein. "Das ist doch lächerlich, wenn gerade wir als Brandhackingexperten beim Auftauchen der ersten irgendwie ähnlichen Verwendung von CIA wie angespitzte Bleistifte zum Anwalt laufen." Erst durch Intervention des Großen Vorsitzenden Schmidt, der noch einmal das publizistische Sündenregister der Gegenseite auflistete, konnte die Frage zugunsten der Abmahnung entschieden werden, die dann auch prompte Wirkung zeitigte. Die "Centrale Intelligenz Agentur" heißt seitdem "Die Achse des Guten". Und das ist vielleicht auch besser so. Die Zentrale Intelligenz Agentur wird bis auf weiteres und wohl bis in alle Ewigkeit Zentrale Intelligenz Agentur heißen und dermaleinst im Olymp der großen Namen zwischen Coca-Cola und Nokia stehen. Bis es aber so weit ist, hat der Name den unschlagbaren Vorteil, dass er über einen eingebauten Intelligenztest mit Selektionsmechanismus verfügt. Diejenigen, die den hinterlegten Wortwitz auf Anhieb verstehen, mögen ihn in der Regel. Die ihn nicht verstehen, gehen auf gesunden Abstand zu der Firma mit dem merkwürdig großspurigen Namen. Die Abkürzung ZIA heißt übrigens "Tante" auf Italienisch, was auch sehr hübsch ist. |
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Zentrale Intelligenz Agentur GbR /// info@zentrale-intelligenz-agentur.de |
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